Mögen sie dich oder deine Erreichbarkeit?
Shownotes
Dein Kalender war schon voll, das wusstest du. Trotzdem kam das Ja, fast bevor die Frage zu Ende war. Jetzt sitzt du im Auto und spürst diesen dumpfen Groll, nicht gegen den, der gefragt hat, sondern gegen das Ja, das du selbst gesagt hast.
In dieser Folge geht es nicht darum, wie du das Nein besser formulierst. Es geht um die Schicht darunter: Das automatische Ja ist keine Freundlichkeit, es ist Angst in höflicher Verpackung. Mit Naomi Eisenbergers Forschung zu sozialem Schmerz schaue ich darauf, warum Ablehnung im Körper dieselben Schmerzbahnen aktiviert wie ein physischer Schlag und warum dein System bei einem kurz irritierten Blick Alarm schlägt, als ginge es ums Überleben. Harriet Braikers „Disease to Please" beschreibt den Preis: das stille Versickern, bei dem du ständig etwas gibst, das du nie geben wolltest, bis der Tank leer ist und du nicht mal weißt, warum.
Am Ende wird es unbequem: Wer Ja sagt, um gemocht zu werden, baut Beziehungen auf seiner Verfügbarkeit, nicht auf sich selbst. Irgendwann weißt du nicht mehr, ob die Leute dich mögen oder deine Erreichbarkeit. Die eigentliche Übung ist deshalb keine Formulierung sondern die Frage: Kannst du kurz aushalten, wer du bist, auch wenn du gerade nicht lieferst?
Bodenhaftung: Psychologie ohne Wellness-Kitsch.
Transkript anzeigen
00:00:01: Freitag kurz nach achtzehn Uhr, du fährst nach Hause lässt die Stadt hinter dir und willst eigentlich nur ins Wochenende.
00:00:08: Aber den Kopf?
00:00:09: Der ist ganz so anders.
00:00:10: der hängt noch an diesem ein Jahr das du vorhin gesagt hast.
00:00:15: er hat gefragt ob du das Projekt noch mit übernehmen kannst.
00:00:19: dein Kalender bumsvoll natürlich und das wusstest du auch und du hörtest dich trotzdem sagen klar mach ich Das kam raus, fast bevor die Frage überhaupt zu Ende war.
00:00:32: Bevor du eine Sekunde drüber nachgedacht hast.
00:00:35: und jetzt sitzt du im Auto und fragst dich wann zur Hölle habe ich eigentlich angefangen so zu funktionieren?
00:00:43: Und die ehrliche Antwort darauf hat mit Hilfsbereitschaft fast nichts zu tun.
00:00:48: Sie ist deutlich unbequem.
00:00:56: Ganz ehrlich dieses automatische Jahr ist keine Freundlichkeit.
00:00:59: es ist Angst die sich als Hüftlichkeit verkleidet hat.
00:01:04: Nicht die große, laute Angst, die du benennen kannst Sondern die ganz leise Die, die schon entschieden hat bevor die Frage überhaupt richtig bei dir angekommen ist.
00:01:13: Und im privaten Ist das exakt dasselbe Spiel.
00:01:17: Eine Freundin fragt wegen ihrem Umzug am Wochenende.
00:01:21: Eigentlich brauchst Du dringend Ruhe Das weißt Du ganz genau.
00:01:23: und trotzdem Hörst Du dich natürlich sagen Ja kein Problem Und während Du dann Kisten schleppst ist da dieser dumfe Groll.
00:01:33: Der geht nicht gegen sie, er geht nur gegen dich!
00:01:37: Gegen dieses verdammte Ja.
00:01:40: Ich rede hier nicht über Fälle wo du wirklich gerne deinen Freunden hilfst.
00:01:43: Nee das ist natürlich was anderes.
00:01:45: ich rede über diesen Autopiloten dass ja dass die rausrutscht bevor dein Kopf überhaupt mitreden durfte.
00:01:52: und ja...ich nehme mich da ganz sicher nicht aus.
00:01:57: ein Beispiel von mir kommt später.
00:01:59: aber die eigentlich Frage warum machen wir das überhaupt?
00:02:02: Wer nie nein sagt, glaubt tief im Inneren irgendwie nicht genug zu sein wenn er aufhört zu liefern.
00:02:07: Das klingt hart aber die eiskalte Logik dahinter ist klar Wenn ich Nähe, Respekt oder Zuneigung nur dann bekomme wenn ich verfügbar bin Dann hängt mein Wert für andere an meiner Leistung.
00:02:19: und in dem Moment wo ich Nein sage Bin ich kurz wertlos?
00:02:22: Das pack dein System einfach nicht das geht nicht.
00:02:25: Und dass es kein Fehler in deiner Persönlichkeit.
00:02:28: Das is ein fetter Glaubenssatz den du irgendwann mal gelernt hast Meistens ziemlich früh als kleines Kind.
00:02:34: Leistung bringt Aufmerksamkeit, nützlich sein bringt Liebe und Ablehnung?
00:02:39: Heißt das was mit dir nicht stimmt.
00:02:41: Dein Gehirn hat es gespeichert lange bevor du etwas wusstest über das was das alles bedeutet.
00:02:46: und fass auf!
00:02:48: Was soziale Ablehnung im Körper auslöst ist kein metaphorischer Kram.
00:02:54: Das aktiviert dieselben Schmerzbahnen in deinem Gehirnt wie ein Faustschlag wie echter körperlicher Schmerz, okay?
00:03:02: Wenn du also nein sagst und dann gegenüber nur kurz die Stirnrunzel schlägt in dir irgendwas Alarm.
00:03:07: Nicht weil die Situation wirklich gefährlich ist sondern weil dein System gelernt hat Ablehnung ist eine echte Bedrohung.
00:03:15: Und das jetzt tief vor Zechtausend Jahren hieß aus der Gruppe zu fliegen schlicht den nächsten Winter nicht zu überleben.
00:03:22: Ablehnung war ein Todesurteil!
00:03:24: Und dieses uralte Programm Das läuft heute noch in dir Ja auch dir und mir.
00:03:29: Und allen!
00:03:29: Tief in dir fühlt sich was im Überleben bedroht, auch wenn es nur um eine Projektanfrage per mehr geht.
00:03:36: Und dein ja ist dann die schnellste Methode diesen Alarm abzustellen.
00:03:39: Der Preis dafür ist erstmal leise... ...und er ist hoch, sehr hoch sogar.
00:03:44: Denn jedes mal Wenn du ja sagst das eigentlich ein Nein gewesen sein sollte hinterlässt dass so einen fiesen Nachgeschmack Ein innererissener einknicken.
00:03:54: Du bist noch da, du funktionierst aber irgendwas stimmt nicht.
00:03:57: Dieser dumfe Groll beim Kisten schleppen, der leicht flau Magen bei jeder Mail zu dem Projekt das du nie übernehmen wolltest.
00:04:05: Das ist kein Burnout durch so viel Arbeit.
00:04:07: Es ist ein mehr so stilles Versickern.
00:04:10: Du gibst ständig etwas dass du nie geben wolltest und irgendwann ist der Tank halt leer Und du hast keine Ahnung warum?
00:04:18: Ich kenne das nur zu gut.
00:04:19: Nur ein Beispiel von ganz vielen, vor ein paar Jahren Jemand hat mich eben genau gefragt ob ich kurzfristig ein Projekt übernehmen konnte.
00:04:28: Parallel liefen schon zwei Pitches für große Etats und ich hatte ein Team zu führen, schöne Agenturwelt.
00:04:34: Und trotzdem hörte ich mich ja sagen fast reflexartig.
00:04:37: Dann kam eben dieser Moment danach im Auto auf dem Heimweg wo ich fast ins Lenkrad gebissen habe und dachte warum eigentlich zur Hölle?
00:04:46: Niemand hat mich gezwungen!
00:04:48: Es war kein böser Chef und auch bei weitem keine Drucksituation.
00:04:51: es war nur ich der ist nicht ausgehalten hat einmal kurz Nein zu sagen und die Sekunde Enttäuschung auf der anderen Seite zu sehen.
00:05:01: Das Projekt, okay das lief dann irgendwie.
00:05:03: aber jedes Mal wenn eine Mail dazu reinkam oder eine Anfrage zog sich kurz in mir was zusammen nicht wegen der Arbeit sondern wegen dieses Jahres dass nie eins hätte sein sollen.
00:05:13: Und am Ende gab es von diesen Jahres einfach zu viele und ich habe meine geliebte Agenturwelt verlassen.
00:05:20: Nicht dass das direkt besser wurde Aber es war ein Schritt.
00:05:26: Und genau diese Erkenntnis.
00:05:27: Dieses brutale Erkennen der eigenen Muster, das ist der Kern von dem was wir hier bei Bodenhaftung machen.
00:05:33: Wenn du merkst dass dich das trifft dann lass doch gerne ein Abo da.
00:05:38: Das ist der beste Weg um keine dieser manchmal unbequemen Wahrheiten mehr zu verpassen und ich würde es auch sehr freuen.
00:05:45: Da ist noch etwas das sich lange nicht gesehen habe.
00:05:48: wenn Du ja sagst um gemocht zu werden Dann gibst Du nicht aus Großzügigkeit okay?
00:05:54: um was zurückzubekommen.
00:05:56: Das ist ein versteckter Deal!
00:05:58: Und damit erschaffst du Beziehungen, die auf deiner Verfügbarkeit basieren und nicht auf dir als Mensch.
00:06:04: Faktisch auf dem, was du bereitstellst... ...und nicht auf dem was du bist.
00:06:09: Und irgendwann weißt du nicht mehr ob die Leute dich mögen oder deine Erreichbarkeit.
00:06:15: Und das ist echt ehrlich absurde Scheiße.
00:06:19: Und weißt Du was es verrückt ist?
00:06:21: Die Angst vor dem Nein ist fast immer größer als das, was tatsächlich passiert.
00:06:26: Wenn du es tust Du sagst nein die andere Person schaut dich kurz an und dein ganzes System schreit.
00:06:33: Sag noch etwas erklär dich mach's wieder gut.
00:06:36: aber meistens nickt die person einfach macht weiter oder sucht sich halt jemand anderen der oder die vielleicht Zeit hat.
00:06:45: Okay?
00:06:46: Der moment den du so sehr gefürchtet hast hat Vielleicht Drei Sekunden gedauert und dann ist er vorbei.
00:06:54: Was aber viel länger hält, ist dieses andere, dieses Ziehen danach wenn es ein falsches Jahr war.
00:07:00: Wer ständig ja sagt und all seine Energie verschwendet ist auch ehrlich gesagt für niemanden wirklich da!
00:07:08: Die Kollegin die du noch um zwanzig Uhr unterstützt obwohl du selbst am Limit bist bekommt sie wirklich dich?
00:07:14: Ich glaube ja nicht, ich glaube sie bekommt einen ausgebrannten Rest von dir der innerlich schon längst im Bett liegt oder?
00:07:21: Das ist kein Ressourcenmanagement.
00:07:23: Das sind simple Physik.
00:07:25: wo nichts mehr ist kann man auch nichts mehr geben.
00:07:30: Okay pass auf das hier ist noch nicht die Lektion Nein sagen lernen.
00:07:34: Das ist erstmal der Schritt davor erst mal kapieren was dieses automatische Ja eigentlich macht und was es schützt und was sich verdammt nochmal kostet.
00:07:45: Und dann, wenn du das siehst.
00:07:47: Ist die eigentliche Frage nicht wie formuliere ich das?
00:07:50: Nein!
00:07:51: Die Frage ist Kann Ich für einen kurzen Moment aushalten wer ich bin auch wenn ich gerade Nicht liefere?
00:07:58: Das ist die Übung.
00:08:00: Nicht irgendeine Formulierung die Du dir aufschreiben kannst Keine Technik aus einem Buch.
00:08:05: Des Nächste Mal Wenn Du dieses reflexhafte Ja Spürst Diesen Impuls der schon da ist bevor Du überhaupt nachgedacht hast Warte kurz!
00:08:16: Nicht um das perfekte Nein zu finden, sondern nur um zu bemerken was in diesem Moment eigentlich in dir los ist.
00:08:25: Was fürchtest du gerade?
00:08:27: Was glaubst du grade über dich?
00:08:28: Was ist es wirklich?
00:08:31: Das eine Nein ist gar nicht das Ziel.
00:08:33: Das eine nein ist nur der Beweis, dass du einen Moment lang einfach nur du sein durftest ohne zu liefern.
00:08:41: und jetzt an dich In welcher Situation hast du das letzte Mal ja gesagt und sofort gewusst, dass das falsch war?
00:08:50: Schreib's gerne unten in die Kommentare.
00:08:53: Kein Roman nur der Moment!
00:08:55: Ich lese mir alles durch – es ist wirklich sehr interessant.
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