Remote Work Konflikte: Warum Slack uns aggressiv mach

Shownotes

Ein nüchterner Slack-Satz am Montagmorgen. Vier Tage später läuft die Kommunikation nur noch über Dritte. Niemand wollte den Konflikt und trotzdem ist er da. Die übliche Erklärung lautet: zu wenig Kontakt im Remote-Team. Die ist falsch.

Das Problem ist nicht die Quantität, es ist die Resonanz. Mit Martin Bubers Unterscheidung von Ich-Du und Ich-Es schaue ich darauf, warum eine Slack-Nachricht nur eine Position überträgt, fertig formuliert, ohne Zögern, ohne den Menschen dahinter. Warum der Kaffeeautomat nie um den Kaffee ging, sondern um Kalibrierung. Und warum Hartmut Rosas Begriff der Entfremdung genau das beschreibt, was viele nach Jahren im Homeoffice fühlen.

Am Ende wird es unbequem: Derselbe Kontaktverlust, der Teams eskalieren lässt, passiert auch nach innen, wenn du dich selbst nur noch wie einen Kanal behandelst, der funktionieren muss.

Bodenhaftung: Psychologie ohne Wellness-Kitsch.

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00:00:00: Ein Slackping am Montagmorgen.

00:00:02: Das Geräusch kennst du!

00:00:13: Und trotzdem kommt es als Angriff an.

00:00:16: Die Antwort kommt vier Stunden später Auch nüchtern, auch kurz Aber irgendwie anders.

00:00:26: Dann ein dritter Satz Wieder kurze Antwort Dann wird jemand in den Zweit geholt.

00:00:32: Am Mittwoch ist es ein Meeting, am Freitag redet ihr nicht mehr direkt miteinander.

00:00:37: Eigentlich seid ihr doch nette Menschen.

00:00:40: Beides war nicht gewollt.

00:00:41: Ihr habt euch im ganzen Prozess nicht dein einziges Mal wirklich gesehen.

00:00:45: Das lag nicht am Homeoffice Es lag daran dass keiner von beiden die andere Person überhaupt noch gesehen hat.

00:00:53: Eskalation ist das Symptom von Kontaktmangel Wobei Mangel ist eigentlich das falsche Wort.

00:01:01: Es ist nämlich nicht zu wenig Kontakt, es ist einfach der Falsche und der Befund geht tiefer als dein Slag Threat, dass er Noten lässt.

00:01:19: Das ist Bodenhaftung.

00:01:20: ich bin Kai und heute geht's darum warum Slack uns manchmal echt aggressiv macht.

00:01:26: Seit es Remote Work gibt, ist viel geschrieben worden über Konflikte in dezentralen Teams.

00:01:32: Die Standard-Aussage lautet Wir haben zu wenig Kontakt.

00:01:36: Zu viel Asynchronis, zu wenig Tonlage, kein Körper, kein Raum.

00:01:41: Die Lösung die dann immer folgt heißt mehr Formate Mehr Calls Mehr monatliche Team-Days Virtuelle Kaffeepausen All Hands mit Breakout Rooms.

00:01:51: Nicht falsch verstehen.

00:01:53: Ich sage nicht dass das schädlich ist oder generell falsch.

00:01:58: ich sage Das es die falsche Diagnose beantwortet.

00:02:02: Im Design Thinking würde man sagen, wir sind zu früh in den Solution Space gesprungen ohne das Problem wirklich verstanden zu haben.

00:02:11: Das Problem bei Remote Eskalationen ist nämlich nicht die Quantität – es ist die Resonanz und das ist der entscheidenden Unterschied.

00:02:19: Martin Buber hat zwei Grundmodi menschlicher Begegnung beschrieben.

00:02:24: Dass ich du und dass ich ess im Ich.

00:02:29: Du begegne ich dir als ganze Person.

00:02:32: Mit deiner Geschichte, deiner Unvollständigkeit, deinem Gewicht als Mensch also nicht Körpergewicht Da ist ein echtes Gegenüber.

00:02:41: Im Ich-Es begegne ich die als Funktion Als Rollenträger, als jemand der Erwartungen abarbeitet.

00:02:50: letztendlich Buber hätte Remote Arbeit als Paradeinspiration nehmen können für seine Thesen und Schriften.

00:02:57: Wenn ich dir im Flurbegegnep passiert etwas dass ich gar nicht steuere oder steuern kann.

00:03:02: Ich sehe, dass du müde aussiehst, das du vielleicht beim Tippen auf dein Handy kurz innehältst.

00:03:08: Ich seh und höre dich vielleicht sogar atmen!

00:03:12: Wann hast Du das letzte Mal in einem Zoom Call jemandem wirklich Atmen gehört?

00:03:18: Das klingt fast banal ist es aber nicht weil genau das dem ich es ständig in die Quere kommt.

00:03:24: Es gibt mir laufende kleine Signale die mich daran erinnern.

00:03:27: hier ist ein Mensch und keine Schnittstelle.

00:03:31: Slack oder Teams geben mir das nicht, da ersteint die Bubble dann erscheint der Text und das war's!

00:03:39: Was ich bekomme ist eine Position fertig formuliert und abgeschickt ohne alles was davor dahinter liegt aufeinander natürlicherweise, nicht weil sich die Menschen dahinter feindlich gesinnt wären sondern weil eine Position keine ambivalenz kennt.

00:04:02: Keins högern.

00:04:03: Keinen Seufz da vor dem Absenden.

00:04:07: Keine Geste die sagt ich meine das nicht so böse wie es klingt.

00:04:11: in der remote debatte gibt es eine spannende illusion den Kaffeeautomaten oder wahlweise Siebträger als Nostalgieobjekt, also wäre das Bedürfnis nach physischer Nähe bloß Sentimentalität und Erinnerung.

00:04:26: Das stimmt aber nicht!

00:04:27: Der Kaffeiautomat der Siebträger whatever war Kalibrierungen Nichtes Meeting selbst sondern der Moment danach auf dem Flur die zwei Minuten in denen irgendwas gerade gerückt wird dass im Meeting nicht gerade zurück war wo jemand sagt hey ich habe das vorhin irgendwie anders gemeint sorry Es ist kein Ticket, kein Slack-Thread.

00:04:48: Keine formale Kommunikation oder eine E-Mail... ...es ist ein einfacher Satz!

00:04:54: Diese Momente, die Dinger zwischen Tür und Angel auf dem Flur an der Kaffeemaschine fangen Eskalationen ab bevor sie entstehen nicht durch Konfliktlösungen sondern einfach Durch Sichtbarkeit und das Begegnen.

00:05:07: es waren begegnen zwei Menschen.

00:05:09: in dezentralen Teams gibt's das nur noch in einer Version, wenn jemand aktiv extra einen Call aufmacht nur um das zu sagen.

00:05:18: Das kostet erstmal Zeit im viel zu vollen Kalendern aber es kostet auch über Windung weil es immer nach einem großen Schritt klingt obwohl das früher wahrscheinlich nur ein Halbsatz im Vorbeigehen gewesen wäre.

00:05:31: also macht's keiner.

00:05:32: und des lackthread der wächst.

00:05:34: Harpen und Rosa beschreibt Entfremdungen als den Zustand in dem die Welt nicht mehr antwortet Ich handle, aber es kommt nichts zurück.

00:05:45: Das mich berührt.

00:05:46: Kontakt hat keine Wirkung

00:05:47: mehr.".

00:05:47: Das ist nicht nur Philosophie!

00:05:49: Das ist die Erfahrung von Leuten, die seit Jahren von zu Hause aus arbeiten täglich zehn Meetings haben und dabei trotzdem das Gefühl entwickeln, dass es eigentlich egal ist ob sie da bei sind oder nicht.

00:06:00: Und Rosa's Gegenbegriff dazu heißt Resonanz.

00:06:03: Resonance ist aber nicht mehr Meetings.

00:06:05: Resonnanz ist das Gefühl, dass man gegenüber mich als Person registriert Nicht als Absender von Aufgaben.

00:06:13: Wer das nicht bekommt reagiert früher oder später nur noch auf Position und dann geht es los.

00:06:19: Aber pass auf, ich will nur einen Schritt weitergehen.

00:06:22: Wenn wir verlernen andere als Personen zu sehen Dann fangen wir oft bei uns selbst damit an.

00:06:29: Wir behandeln uns selbst irgendwann wie ein Slack Kanal der einfach nur funktionieren muss.

00:06:36: Was zeige ich eigentlich von mir?

00:06:39: soll nach außen dringend.

00:06:40: Lauter Outputs, Meetings die ich vorbereitet habe entscheidunglich getroffen hab Nachrichten die ich beantwortet hab Eine Position nach Außen Konsistent und Funktional Und der Rest also Die Ambivalenz das Zögern Der Moment wo ich kurz nicht weiter weiß?

00:06:58: Der bleibt im Entwurf der nie abgeschickt wird In der Pause die keiner sieht in dem Gedanken der nie formuliert wird weil er Kalender schon wieder weiter ist.

00:07:08: Das ist auch Kontaktverlust, nur nicht nach außen sondern nach innen.

00:07:13: und dann passiert dasselbe wie im Team.

00:07:16: irgendwann reagiere ich auf meine eigene Position statt auf meine Person.

00:07:23: Ich treffe eine Entscheidung und bin damit sofort im Konflikt Nicht weil die Entscheidung falsch wäre Sondern weil ich keinen Kontakt mehr dazu habe.

00:07:31: warum ich sie überhaupt getroffen habe kennt, glaube ich jeder.

00:07:34: Ich kenne das sehr gut.

00:07:35: diese Irritation ohne klaren Grund die Erschöpfung nach einem Tag, in dem eigentlich gar nichts außergefühllich passiert ist Die Reaktion auf eine Mail, die sich beim Lesen ganz nüchtern anfühlt und beim Beantworten plötzlich ne Wunder aufreißt.

00:07:50: Das ist innere Eskalation Und die Diagnose ist dieselbe Zu wenig Resonanz Nicht zu wenig Inhalt, zu wenig Spiegelung.

00:07:59: Es gibt letztlich dafür kein Mindestniveau an Belastungen ab dem das anfängt.

00:08:04: Es trifft jemanden der um achtzehn Uhr den Laptop zuklappt und trotzdem nicht runterkommt genauso wie jemandem der zwanzig Leute führt und sich dabei selbst aus den Augen verloren hat.

00:08:15: Eskalation im Außen ist primär ein Hilferufen nach Kontakt.

00:08:20: Wer das für sich annimmt kommt zu einer recht unbequemen Frage Wann hatte ich das letzte Mal denn überhaupt Kontakt zu mir selbst?

00:08:29: Nicht zum Leistungsträger, nicht zu dem Verantwortungsinhaber.

00:08:34: Nicht zu dem Elternteil.

00:08:35: Zu mir!

00:08:37: Zu mir als Person.

00:08:38: und ganz ehrlich wenn du die Antwort lange suchen musst ist das genau der eigentliche Befund.

00:08:44: Nicht der Slack Krieg, nicht die schwierige Kollegin, nicht der Chef der dauernd seine Meinung ändert.

00:08:50: Die Eskalation ist das Symptom.

00:08:52: Der Kontaktverlust ist die Quelle.

00:08:54: also Ganz konkret.

00:08:56: Wenn du das nächste Mal eine Slack Antwort tippst, die zwei Sätze länger wird als nötig dann drück nicht auf senden ok?

00:09:02: Dann ruf halt an!

00:09:04: Drei Minuten reichen meistens und die hat man auch.

00:09:08: Nicht weil es effizienter ist sondern weil du sonst gerade eine ich-es Beziehung zementierst ohne dass zu merken Der Slackping von Montagmorgen kommt mit ziemlicher Sicherheit wieder Einsatz Sachlich formuliert Und Du schreibst ihn vielleicht auch Und in dem Moment entscheidest du, ob du eine Position sendest oder eine Person.

00:09:30: Vielleicht ist das die unbequemste Stelle?

00:09:32: Der Konflikt den Du im Thread austrägst ist fast nie der Konflikte um den es eigentlich wirklich geht!

00:09:40: Also ganz ehrlich, Position oder Person?

00:09:44: Ein Wort reicht also.

00:09:46: Danke fürs Zuhören.

00:09:47: ich bin Kai was hier ist.

00:09:49: Bodenhaftung Folge sechs und wir hören uns sehen uns nächste Woche.

00:09:54: Die ihr podcast.

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