Der Affe auf dem Parkplatz
Shownotes
Du kennst das: Alles wäre bereit und dann macht dein Kopf Theater. Nicht weil du schwach bist, sondern weil ein uraltes Sicherheitsprogramm anspringt, das Sichtbarkeit mit Gefahr verwechselt.
Ich erzähle von einem Skiausflug in Sölden, bei dem mir dieser Mechanismus so klar wie selten begegnet ist. Was Psychologen den inneren Kritiker nennen, nenne ich den Affen und er klingt vernünftig, fürsorglich, fast schlau. Genau deshalb ist er gefährlich. Mit Karen Horney, Viktor Frankl und Alfred Adler.
Bodenhaftung: Psychologie ohne Wellness-Kitsch.
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00:00:00: Bevor wir überhaupt mit etwas anfangen, sabotiert uns oft schon ein inneres Sicherheitssystem.
00:00:05: Nicht weil wir schwach sind sondern weil der Affe in uns Sichtbarkeit mit Gefahr verwechselt.
00:00:37: Weil mir kalt ist, oder weil ich keine Zeit habe.
00:00:39: Ich bin da ja immerhin in den Urlaub gefahren sondern... ...weil mein Gehirn in den letzten zwanzig Minuten mindestens dreihundert gute Gründe produziert hat warum das heute eine scheiß Idee ist.
00:00:56: Ich war auch damals nicht besonders gut.
00:00:58: Ich werde alle aufhalten und mich massiv blamieren.
00:01:03: Ich werd hinfallen und aussehen wie ein Anfänger was sich zugegebenermaßen auch bin.
00:01:10: Das was da in meinem Hirn sehr laut auf sich aufmerksam macht, da oben das nenn ich den Affen und wenn du das kennst dieses Ding was so viel Theater macht bevor du überhaupt los gehst.
00:01:26: heute reden wir exakt darüber.
00:01:30: vielleicht erstmal zwei Sätze zu mir Damit klar wird wer hier überhaupt spricht.
00:01:34: Ich bin Kai, ich komme nicht aus der klassischen Psychologieecke sondern aus über zwanzig Jahren Kreativbranche Kommunikation Design Marken und Führungsverantwortung Und ich habe lange gelernt Dinge für das Außen zu bauen Was schön aussieht.
00:01:52: Aber irgendwann habe ich festgestellt dass das Innenleben deutlich sperriger ist als jede Marke und jedes design.
00:01:58: Und das hier Bodenhaftung ist kein Expertenkanal mit akademischem Hintergrund.
00:02:03: Bestimmt nicht, dass würde ich mir nicht anmaßen sondern vielleicht eher ein Versuch über psychologische Muster so zu reden wie sie sich im echten Leben anfühlen ohne Wildness gesäusel und Hassel gebrüll und vor allem ohne so zu tun als wäre ich schon fertig damit.
00:02:18: Ich erkläre hier also nicht menschliches Verhalten aus sicherer Distanz Sondern stecke selbst mittendrin.
00:02:23: und genau deshalb interessiert mich dieser verdammte Affe.
00:02:27: Der Affe ist nicht dein Feind, das ist wichtig.
00:02:30: Und der Affe is ein Teil in dir... ...der dich schützen will!
00:02:35: Schnell, nervös, kurzsichtig überhaupt nicht böse sondern einfach alt ehrlicherweise.
00:02:41: Ein sinnvolles vielleicht Relikt aus der menschlichen Vergangenheit.
00:02:44: Früher hätte der Affel gesagt geh da nich rein, da has gefahr, da lauert er Sebelzartiger Okay?
00:02:49: Heute sagt er Geh da nich rin.
00:02:52: Da könntest du scheitern oder peinlich wirken.
00:02:55: Oder ganz allgemein Wenn du das machst, wirst du sichtbar.
00:03:00: Und Sichtbarkeit ist für viele von uns längst Gefahr genug.
00:03:05: Nur wenige stellen sich auf eine Bühne und übernehmen die wichtige Präsentation oder halten ihr Gesicht irgendwo in einer Kamera... ...und laden das dann nachher irgendwo hoch.
00:03:14: Viele haben Angst davor öffentlich zu scheitern.
00:03:19: Ich in dem Beispiel beim Skifahren!
00:03:23: Die Tatsache ist aber der Affe meldet sich nicht mit einem einfachen, ehrlichen Satz wie.
00:03:28: ich habe Angst.
00:03:30: Das wird so einfach!
00:03:31: Er klingt vernünftig... bisweilen sogar fürsorglich und manchmal auch schlau.
00:03:37: Deshalb geht man ihm so leicht auf den Leim.
00:03:41: Der Affe sagt du bist nicht fit genug Du wirst die anderen aufhalten.
00:03:45: das ist nicht der richtige Moment.
00:03:46: macht es lieber später Und bereite dich noch besser vor.
00:03:52: Der fieseste Satz von allen Du kannst es eh nicht.
00:03:56: Lass es einfach.
00:03:58: Und das hat eigentlich nichts mit Realismus zu tun, sondern es ist irgendwie ein Sicherheitsprogramm mit einer PR-Abteilung.
00:04:06: Der Affe argumentiert nie offen gegen dein Leben oder deine Entscheidung.
00:04:12: Er argumentiert immer nur für Aufschub, mehr Vorsicht und noch eine Runde Nachdenken oder Stillstand im Allgemeinen.
00:04:20: Bloß nicht die Komfortzone verlassen!
00:04:23: Das mag unser auf Energiesparen getrimptes Gehirn überhaupt nicht.
00:04:28: Kein Stück!
00:04:30: Und ich kenne diese Stimme richtig gut, nicht nur vom Skifahren auch von Gesprächen, Projekten, Entscheidungen.
00:04:37: oder wenn eben wieder mal Sichtbarkeit drohte.
00:04:41: und es ist immer dieselbe Melodie nur der Text wechselt.
00:04:45: Die Psychologie hat verschiedene Konzepte und Namen dafür.
00:04:48: Karen Hornay oder Karin, weil eigentlich war sie eine Deutsche ist aber in die USA gezogen sprach von der Tyranei.
00:04:53: das sollte diesem inneren Ideal.
00:04:56: ich dass so perfekt es dass das echte ich daneben immer wie ein Versage aussieht und nur verlieren kann.
00:05:00: Das ist genau das was der Affe produziert einen endlosen Abstand zwischen dem was du bist und dem was Du sein solltest Und das schon lange bevor's losgeht.
00:05:09: und Frankel Frankl hat etwas beschrieben, das er ja hyperintentionante.
00:05:14: Je stärker du versuchst etwas zu erzwingen zum Beispiel Courage oder Gelassenheit oder Zuversicht desto stärker blockt das System.
00:05:21: Je mehr du willst dass dieser Affe aufhört desto lauter wird er und es ist kein persönliches Versagen sondern einfach Biologie oder Neurobiologie.
00:05:32: Evolutionär bedeutete Scheitern übrigens auch oft aus der Gruppe ausgestoßen zu werden.
00:05:37: Und dann war man allein mit dem Sebelzahntiger und deshalb lass uns bloß nicht eine öffentliche Blamage riskieren.
00:05:45: Ich bin an den Tag trotzdem auf die Piste gegangen überhaupt nicht heldenhaft oder mit Pathos, sondern einfach ski an und los.
00:05:54: Am ersten tag habe ich mich zweimal auf die Nase gelegt hatte richtig platte Oberschenkel, habe Frühfeierabend gemacht und das war kein zeneastischer Triumph mit Rockymusik sondern ich hab's halt einfach gemacht und bin über diese Hürde gesprungen.
00:06:06: Am zweiten Tag der selbe Parkplatz, derselbe Affe ein bisschen leiser.
00:06:13: Ich hab ihn kurz final niedergeboxt und bin wieder in die Gondole gestiegen und irgendwo auf einer blauen Piste.
00:06:19: ja blaue Piste ist was passiert womit ich nicht gerechnet habe Flow Der Körper hat sich erinnert, die Schiele liefen.
00:06:27: Der Schnee war super und es hat richtig richtig Spaß gemacht.
00:06:31: Und am dritten Tag merke ich meine Grenze und höre auf bevor ich eine Verletzung riskiere und lass meine Frau ohne schlechtes Gewissen allein weiterfahren.
00:06:40: Das waren toller Urlaub!
00:06:41: Der Punkt bei der Geschichte ist aber nicht dass der Affe irgendwie komplett unrecht hatte.
00:06:46: Er hat den Teilen sogar recht gehabt.
00:06:48: Ich war nicht perfekt vorbereitet und ich war natürlich langsamer als der Rest, vollkommen klar nach über vorm zwanzig Jahren und das nie wirklich beherrscht zu haben.
00:06:55: aber der erste Schritt... ...und es macht er immer... Der hatte ihn als Endergebnis verkauft Und er sieht eben den Wackelingen anfangen und tut so als wäre damit die ganze Geschichte schon erzählt.
00:07:08: und dass ist sie aber fast nie Du?
00:07:12: musst vielleicht nicht auf dem Parkplatz in Sölden stehen um den Affen zu kennen.
00:07:17: Vielleicht stehst du vor dem Gym und plötzlich fällt dir ein, dass Regeneration auch richtig wichtig ist.
00:07:24: Vielleicht wartet da ein Gespräch das du seit Wochen vor dir her schiebst oder du willst irgendwas anfangen?
00:07:29: Ein Projekt, neues Kapitel, vielleicht einen Podcast, frage mich mal wie lange ich gebraucht habe um die erste Folge hier endlich zu produzieren!
00:07:37: Genau da wird der Affe nämlich lebendig.
00:07:40: Zu früh, zu spät, zu riskant... Noch nicht gut genug, erst noch richtig vorbereiten und sicherer werden.
00:07:47: Adler hat das Sicherungstendenzen genannt Der Mechanismus mit dem wir uns selbst den Schutz nehmen vor Misserfolgen und Sichtbarkeit und vor dem Risiko wirklich anzufangen Nicht weil die feige sind doch Mit sehr plausiblen Gründen.
00:08:04: Das aber kommt nämlich immer gut verkleidet.
00:08:07: Ich würde ja der Moment ist noch nicht richtig ich würde Ja Aber erst wenn ich wirklich vorbereitet bin.
00:08:13: Ja, das hatten wir alles schon.
00:08:15: Das klingt nach totaler Vernunft ist aber am Ende getarntes nicht verlassen wollen der Komfortzone und Adler wobei ich war ein Schüler von ihm glaube ich und Ichiro Kishimi hat das weiterverarbeitet sagte auch man braucht den Mut zur Unvollkommenheit Und dabei geht es eben nicht um die Courage des Helden der sowieso alles kann sondern vielmehr um die des Anfängers Im genau dessen Menschen der weiß dass er stolpern wird und trotzdem Los geht.
00:08:44: Lieber Unvollkommen und ehrlich Leben anstatt sich einer hinter einer Fassade von Perfektion zu verstecken.
00:08:51: Ich liebe das aber es ist verdammt schwer Und vor allem heute wo alles wirkt als sei es perfekt und poliert und glänzend und schön.
00:09:00: Drei Dinge habe ich auf diesem Parkplatz gelernt.
00:09:02: erstens Der Affe verschwindet nicht.
00:09:05: er wird leiser wenn du trotz seines Geschnatter losgehst, aber er verschwindete nie ganz.
00:09:11: Zweitens Die Realität ist fast nie so schlimm wie die Vorbesprechung im Kopf.
00:09:18: Das Gehirn ist darauf ausgelegt, alle Optionen auf uns loszulassen, die es nur erdenken kann.
00:09:23: Ich glaube nicht alles was du denkst.
00:09:25: Das ist übrigens auch ein sehr gutes Buch, das kann ich nur empfehlen.
00:09:28: Und drittens und das ist vielleicht der wichtigste Punkt... Der Affe lügt dich nicht an!
00:09:36: Er übertreibt nur maßlos meistens.
00:09:39: Er zeigt ihr eben alle Risiken aber er verschweigt dabei systematisch die Möglichkeiten.
00:09:48: So, wenn du bis hierhin dabei geblieben bist erst mal vielen Dank fürs zuhören.
00:09:53: das freut mich.
00:09:54: und am Ende vielleicht noch ein kleiner Vorgriff auf dass was kommt.
00:09:59: der Affe ist nicht allein er ist Teil eines inneren Systems und in den nächsten Folgen werde ich zeigen was da noch zugehört.
00:10:06: aber erstmal war es wichtig zu verstehen wie der Affel klingt damit Du ihn erkennst und wenn er wieder auftaucht per selbst Beobachtung rausfindest was da gerade passiert.
00:10:17: Die Frage ist nämlich nicht hast du auch so ein Affen, denn hast du ziemlich sicher?
00:10:21: die Frage ist auf welchen Parkplatz stehst Du grade?
00:10:25: Was is dein Ding vor dem Dein Kopf grade die lauteste Show macht?
00:10:30: Ich bin Kai.
00:10:32: Das hier is Bodenhaftung und wenn Du magst sehen wir uns oder hören wir uns in der nächsten Folge.
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